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GCM 2-2014

  GCM 2 / 2014 GERMAN COUNCIL . In motion Anfangen, wo andere aufhören – 1. Teil Weil sich die Oterser nicht kilometerweit zum Einkaufen bewegen wollten, schoben sie ihren eigenen Dorfladen an. Mit Erfolg. Und der hat Folgen. Wenn Bauer Paul mit Enkel Jonas einkaufen geht, ziehen sie vorm Ge- schäft die Schuhe aus. Ihren Stalldreck möchten sie nicht in den Laden tragen. Zu Hause sind derlei Höflichkeitsgesten normal, beim Shoppen dürften sie ein Oterser Unikum sein. Otersen, 520 Seelen, ein Dorf ir- gendwo zwischen Hannover und Bremen. Die Landschaft ist idyllisch, die Schafe sind schmuck, die Gehöfte sind es auch. Hier wird beim Erle- digen der Besorgungen eher geduzt als gesiezt, geschnackt als gesmall- talkt, und was im Sortiment fehlt, besorgt der Krämer extra. Ohne den Laden hätte vermutlich bis heute niemand weiter Notiz von dem Ackerbürgerdörfchen genommen. Aber Nahversorger in flau be- siedelten Landstrichen sind mittlerweile erfreuliche Ausnahmen. Sind sie dazu noch auf 180 Quadratmeter in tipptopp renoviertem Bauern- haus und in Bürgerbesitz, ist das schon außergewöhnlich. Wie es zur Kollektivierung der Nahversorgung kam, daran erinnert sich noch je- der im Ort. Es war 2000, als der letzte Krämer altersbedingt seine Se- gel strich. Gerade mal ein Dreivierteljahr Zeit blieb den Dorfbewoh- nern, um die 15 Kilometer lange Fahrt zum Einkaufen abzuwenden. Allerdings entpuppte sich die Nachfolgersuche als aussichtslos und Fi- lialketten winkten entschieden ab. »Stirbt der Laden, stirbt das Dorf«, dachten die Oterser und entschieden sich für Engagement statt Unter- versorgung. Mit 75.000 Euro Invest lässt sich das Problem beheben, errechnete Dorfbewohner Günter Lühning, von Beruf Sparkassenfilial- leiter. Er schlug vor, eine Minigenossenschaft zu gründen, um die nach Abzug der Gemeindezuschüsse fehlenden 50.000 Euro zu finanzieren. »Im schlimmsten Fall ist das Geld weg. Keiner haftet persönlich«, klär- te der heutige Vorsitzende des Dorfladen-Netzwerk.de seine Mitstrei- ter auf. Tatsächlich kauften 70 Bürger Anteilsscheine im Wert von je 250 Euro. Es war eine riskante Investition. Eine, die auf Lebensqualität spekuliert, nicht auf geldwerte Rendite. Damals konnte jeder nur hof- fen, dass der Laden schwarze Zahlen schreiben werde. 13 Jahre später besitzen 120 Bürger Anteilsscheine und jeder weiß, mit 370.000 Euro Nettojahresumsatz trägt sich das Geschäft. Hätten die Oterser nicht zur Selbsthilfe gegriffen, wären sie, wie acht Millionen andere Deutsche, in die Unterversorgung gerutscht. Allein in Bayern haben 70 % der kleinen Dörfer keinen Krämer mehr. Und von 125.000 eigenständigen Kaufleuten, die es 1970 bundesweit gab, waren vorletztes Jahr 25.000 übrig, bilanziert der deutsche Lebensmit- teleinzelhandel. In den gleichen 42 Jahren sank die Zahl der Geschäfte von 160.000 auf 36.866. Denn mit den Filialisten setzte sich die Maxi- Dorfladen Otersen mit Aller Café

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